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Wirtschaftsemigration

Das polnische Bruttosozialprodukt betrug 2004 laut der Weltbank 491.549 Mio. USD, was Polen den 22. Platz unter den größten Volkswirtschaften der Welt beschert. Für 2005 wurde ein Wert von 512,9 Mrd. USD prognostiziert. Umgerechnet auf den BSP-Wert pro Einwohner wuchs dieser von 12.000 USD im Jahr 2004 auf 13.275 USD im Jahr 2005, womit sich Polen relativ im Vergleich zu anderen Staaten um sechs Plätze verbessert hat. Das Wirtschaftswachstum war in letzter Zeit im ersten Quartal 2004 (also unmittelbar vor dem EU-Beitritt) mit 6,9 % am höchsten. Nach der Akzession fiel es zunächst beständig, so dass für das Jahr 2004 ein Gesamtwert von 5,3 % zu verzeichnen war. Mittlerweile ist die vorläufige Talsohle wieder durchschritten und die polnische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2005 mit 3,5 %, was voraussichtlich zu einem Gesamtwachstum von 3,3 % führen wird. Für das nächste Jahr wird mit einem Gesamtwachstum von 4 bis 5 % gerechnet.

Die Inflation wird 2005 voraussichtlich 1,8 % betragen, womit sie wahrscheinlich niedriger wäre als die in der Eurozone. Der polnische Złoty ist im Jahresvergleich zum Euro und USD um etwa 20 % stärker geworden. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 9,6 % (Juni 2008), was ungefähr 1,5 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter ausmacht. Im Juni 2004 lag die Quote noch bei 19,5 %. Aufgrund der nicht unerheblichen Schattenwirtschaft liegt die faktische Arbeitslosenquote möglicherweise niedriger und die Reallöhne höher, da viele Arbeitnehmer und Selbstständige ihre faktischen Einnahmen entweder überhaupt nicht oder zu einem geringeren Betrag dem Fiskus angeben. Eine Studie des Magazins Wprost hat ergeben, dass die Gesamtausgaben der polnischen Bevölkerung die Gesamteinnahmen beträchtlich übersteigen, gleichzeitig aber ihre Kapitalersparnisse stetig wachsen. Dies ist nur damit zu erklären, dass viele Bürger ihre Einnahmen nicht den Finanzämtern melden. 2004 waren etwa 0,5 Mio. polnische Staatsbürger in der westlichen EU beschäftigt, 324.000 davon als Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft und verarbeitenden Industrie, 73.000 in Großbritannien, 14.500 in Irland und 9800 jeweils in Spanien und Frankreich.

Der Export 2004 umfasste 73,78 Mrd. USD und der Import 88,16 Mrd. USD. Das hohe Außenhandelsdefizit ist jedoch im Fallen begriffen. Mit 30,1 und 24,4 % stellte Deutschland den größten Handelspartner dar, obwohl auch dieser Anteil zurückgeht und der Handel mit der Ukraine und Russland überdurchschnittlich zunimmt. Weitere wichtige Handelspartner sind die EU-Staaten Italien, Frankreich, Großbritannien und die Tschechische Republik, sowie die USA und die Volksrepublik China. Bei den Direktinvestitionen sind Frankreich und Großbritannien führend. Der Anteil der Bundesrepublik ist erstaunlicherweise kleiner. Polen exportiert landwirtschaftliche und industrielle Produkte und zunehmend auch Dienstleistungen, z. B. im Rahmen des Outsourcing von Geschäftsbereichen (Buchführung, Marketing, Kundenbetreuung) ausländischer Unternehmen. Ausländische Investoren investieren vor allem in den Finanzsektor, der in den letzten Jahren jeweils ein zweistelliges Wachstum verzeichnen konnte. Ende 2004 wurde die größte polnische Bank Pekao SA privatisiert. Ein möglicher Zusammenschluss von Bank Pekao SA und Bank BPH im Rahmen der Übernahme der HVB durch Unicredito würde jedoch eine noch größere Bank entstehen lassen. Andererseits versuchen immer mehr ausländische Unternehmer sich polnisches Kapital auf der Warschauer Börse (GPW) und dem Warschauer Aktienindex (WIG) zu verschaffen. Seit dem 1. Mai 2004 haben bereits 13 ausländische Emittenten den Antrag auf Eintragung bei der GPW gestellt und sieben sind dort bereits notiert, unter anderen CEZ Group und MOL. 2004 sank die Zahl der registrierten Unternehmen um 4.600, wobei hauptsächlich Ein-Mann-Unternehmen schlossen. Insgesamt waren Ende 2004 3,5 Mio. Unternehmen registriert.

Wie in vielen anderen Länder, gliedert sich der primäre Sektor in Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Bergbau.

Der primäre Sektor war bis ins 19. Jh. der Hauptwirtschaftszweig in der Adelsrepublik, die bis zu den polnischen Teilungen als Kornkammer Europas galt. Die Agrarerzeugnisse aus den riesigen Magnatengütern Kleinpolens und der Ukraine mit ihren Schwarzerde- und Lößböden wurden über die Weichsel und Danzig nach Westeuropa verschifft. Die Bedeutung des Agrarsektor ist heute im Schrumpfen begriffen. Er machte 2004 nur noch 4 % des BSP aus. Gleichwohl sind noch etwa 15 % der Erwerbstätigen in diesem Sektor beschäftigt. Dies liegt vor allem daran, dass es in Polen noch viele Kleinhöfe gibt. In keinem anderen Staat Europas ist der Anteil der Einwohner, die ein eigenes Grundstück besitzen, so hoch, wie in Polen. Die polnischen Landwirte haben den EU-Beitritt größtenteils befürwortet und profitieren von der Öffnung des europäischen Marktes und den EU-Subventionen, die jedoch pro m² nur 25 % dessen betragen, was ihre Kollegen in der alten „EU der 15“ bekommen. Die Getreideproduktion stieg 2004 um 26,7 % auf 29,6 Mio. Tonnen (2000 betrugen sie 22,3 Mio. t) was vor allem an guten Witterungsbedingungen lag. Die gesamte pflanzliche Produktion stieg um 17 % und die landwirtschaftlichen und Lebensmittelexporte stiegen 2004 im Vergleich zu 2003 um 30 % auf 4,9 Mrd. Euro. 3,5 Mrd. gingen davon in die EU.Der Konkurrenz der großen industrialisierten Agrarbetriebe aus Westeuropa (vor allem Frankreich) begegnen viele polnische Kleinlandwirte weiterhin mit der Spezialisierung auf Bioprodukte, bei deren Erzeugung Polen in der EU führend ist. Führende auf Börsen kotierte polnische Agrarverarbeitungsunternehmen sind E. Wedel, Wawel, Jutrzenka, Zywiec und Indykpol.

Die polnische Bauwirtschaft ist aufgrund hoher verfügbarer Landmasse und günstigen Arbeitskräften von einer Hochkonjunkturphase betroffen. Das führende börsennotierte Bauunternehmen Polens ist Polimex-Mostostal.

Polen ist durch die Gebiete Schlesiens schon seit alters her ein Bergbauland mit Tradition. So ist nicht verwunderlich, dass die größten börsennotierten Aktiengesellschaften Bergbaufirmen sind.

Die führenden börsennotierten Bergbauunternehmen/Weiterveredelung sind PKN Orlen (mit über 500 Tankstellen (Orlen- und Star-Tankstellen) in Deutschland) und Polen (beide Erdölverarbeitung und Tankstellenbetreiber) sowie KGHM (Kupfer-/Silberabbau und -verarbeitung), Kęty (Aluminiumabbau und -verarbeitung).

Von den Staaten Europas (ausgenommen Russische Föderation) nimmt Polen den ersten Rang bei den jährlichen Fördermengen von Kupfer und Silber ein.

Der industrielle Sektor spielte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die führende Rolle. Nach 1989 musste er jedoch diese an den Dienstleistungssektor abgeben. Die Industrieproduktion ist aufgrund der Schließung von vielen großen Industriebetrieben in den 1990er Jahren beachtlich geschrumpft. Die bestehenden Betriebe wurden modernisiert und konkurrieren mittlerweile erfolgreich mit den Produzenten aus aller Welt. Die Investitionen im sekundären Sektor waren besonders in den 1990er Jahren sehr hoch, vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie. Viele ausländische Unternehmen haben in Polen, wegen der relativ niedrigen Kosten (Löhne, Lohnnebenkosten und Steuern) sowie des hohen Angebots an hochqualifizierten Arbeitskräften (in Polen studieren ca. 2 Mill. Menschen) und nicht zuletzt wegen des großen Absatzmarktes mit fast 40 Mio. Einwohnern immer mehr konsumfähigen Verbrauchern, Produktionsstätten eröffnet.

Als führende börsennotierte Industrieunternehmen sind der Keramikhersteller Cersanit S.A. und das Pharmazieunternehmen Bioton zu nennen. Daneben gibt es eine Reihe von großen Staatsunternehmen, die demnächst durch den Börsengang privatisiert werden sollen, wie z. B. das Gasunternehmen PGNiG.

Obwohl heute die Fahrzeugindustrie in der polnischen Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt, gehören die meisten Werke ausländischen Investoren. Dies betrifft in geringerem Maße die Produzenten von Bussen und Schienenfahrzeugen sowie die Luftfahrzeugindustrie, welche auf dem Weltmarkt auch mit eigenen Konstruktionen präsent sind. Bekannte Unternehmen sind hier Solaris Bus & Coach, Autosan, PESA und die Nachfolgeunternehmen von PZL.

Der Dienstleistungssektor dominiert seit 1989 die Wirtschaft in Polen und macht weit über die Hälfte des BSP aus. Er ist der sich am schnellsten entwickelnde Bereich der polnischen Wirtschaft. Das größte Dienstleistungszentrum ist die Finanzmetropole und Hauptstadt Warschau, wo die meisten Unternehmen aus dem tertiären Sektor ihren Sitz haben. Aber auch die Messestadt Posen und die südpolnischen Metropolen Krakau und Breslau sind wichtige Dienstleistungsstandorte. Im letzten Jahr konnte die ehemalige Textilindustriestadt Łódź aufgrund zahlreicher Investitionen in Dienstleistungen an diese Städte aufschließen. Dies hat sie vor allem der zentralen Lage und dem Anschluss an das neue Autobahnnetz (A1 von Danzig nach Cieszyn und A2 von Świecko nach Terespol) zu verdanken.

Zu den Top-20-Börsenunternehmen gehören folgende Banken: PKO BP, Bank Pekao SA, Bank BPH, BRE Bank und BZ WBK und die noch zu privatisierende Trägergesellschaft der Warschauer Börse GPW SA.

Zu den Top-20 Börsenwerten gehören auch Infrastrukturunternehmen wie die Telekommunikationsunternehmen Telekomunikacja Polska und Netia, die IT-Gesellschaft Prokom Software als auch die Medienkonzerne Agora (Radio) und TVN. Zu den großen noch zu privatisierenden Dienstleistungsunternehmen gehört das Versicherungsunternehmen PZU (Unternehmen), die Eisenbahngesellschaft PKP, die Fluglinie Lot sowie die staatliche Post Poczta Polska.

Die Entwicklung des polnischen Kapitalmarktes begann im Mittelalter aufgrund der Einwanderung von Kaufleuten aus Norditalien und den Niederlanden in den Gilden der großen Handelsstädte. So stammt das polnische Wort für Börse gielda von gilda, was im Mittelhochpolnisch dem Mittelhochdeutschen Gilde entsprach. Der börsenmäßige Handel mit Wechseln und anderen Schuldscheinen entstand um 1300. In der polnisch-litauischen Adelsrepublik erhielten die Kaufleute bestimmte Handelsprivilegien für den Börsenhandel, die man als erste Börsenordnungen ansehen kann. Börsenplätze bestanden in Danzig (Artushof), Krakau, Posen, Zamość und Warschau. Seit dem 18. Jh. haben z. B. die Warschauer Kaufleute ihre zwei mal pro Woche stattfindenden Börsentreffen protokolliert. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten polnischen Aktiengesellschaften, wobei die älteste erhaltene polnische Aktie die der Kompania Manufaktur Welnianych w Warszawie aus dem Jahr 1768 ist. Die ersten modernen polnischen Wertpapierbörsen wurden 1817 und 1818 in Warschau und Krakau gegründet. Handelsgegenstand waren Schuldverschreibungen und Aktien. In der Zweiten Republik bestanden bereits sieben Wertpapierbörsen in Warschau, Krakau, Posen, Łódź, Kattowitz, Lemberg und Vilnius. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden alle von den Deutschen und den Sowjets geschlossen. Erst nach 50 Jahren entstand der polnische Kapitalmarkt 1989 erneut. 1991 wurde die Warschauer Wertpapierbörse neu errichtet. 1996 kam die Handelsplattform CeTO (Centralna Tabela Ofert) als regulierter nichtbörslicher Markt hinzu, die ihren Sitz ebenfalls in Warschau hat.

Die WWB ist die größte Börse in Mittelosteuropa und eine der schnellstwachsenden auf der Welt. Im Jahre 2005 hat die WWB die Wiener Börse in Bezug auf die Börsenkapitalisierung überholt. Die Kapitalisierung der WWB beträgt fast 300 Mrd. USD. 2004 fanden an der WWB fast 40 IPOs (Initial Public Offer – Börseneinführung einer AG) statt, was ihr nach der LSE den zweiten Platz in Europa brachte, wobei die IPO der PKO BP mit fast 2 Mrd. USD zu den fünf größten in Europa im Jahr 2004 zählte. In diesem Jahr wird die Anzahl der IPOs noch höher sein und der WWB voraussichtlich den dritten Platz im europäischen Vergleich nach der LSE und der Euronext einbringen. Auch sechs ausländische Emittenten und mehrere ausländische Maklerhäuser sind seit 2004 Mitglieder der WBB, wie z. B. die MOL, Credit Austria, Skyeurope, Raiffeisenbank, etc. Die Gesamtzahl der kotierten Gesellschaften beträgt fast 300.

Die Entwicklung des Finanzplatzes Warschau wurde 2000 in der Agenda Warsaw City 2010 geplant. Neben dem going-public der WWB und einer strategischen Partnerschaft mit (wahrscheinlich) der Euronext, wurde festgesetzt, dass bis 2010 die Börsenkapitalisierung 50 % des Bruttosozialproduktes betragen soll. Mittlerweile ist die WWB ihren dort gefassten Prognosen voraus, und wird das Ziel wahrscheinlich früher erreichen. Das Anlegerpublikum teilt sich in drei ungefähr gleichgroße Teile: polnische Privatanleger, polnische institutionelle Anleger und ausländische institutionelle Anleger (von diesen kommen 76 % aus Großbritannien, 5 % aus den USA, 3 % aus Italien, 2 % aus Deutschland, 1 % aus Frankreich, etc.) Am schnellsten im Wachstum begriffen ist der Anteil der polnischen institutionellen Anlager, da ein Drittel der Rentenbeiträge der polnischen Arbeitnehmer über Rentenfonds auf den Kapitalmarkt treffen. Nach der weltweiten Baisse in den Jahren 2000–02 befindet sich die WWB seit 2003 in einer Haussephase. In den letzten Monaten wurden stets neue Allzeithochs des WIG (Warszawski Indeks Gieldowy – Hauptindex) und des WIG20 (Index der 20 großen Golden Shares) erreicht. Weitere Indizes der WWB sind der MIDWIG (mittelgroße AGs), WIRR (kleine AGs), TechWIG (technische AGs), WIG-PL (große und mittlere AGs mit Sitz in Polen), NIF (Investmentfonds) sowie die Branchenindizes WIG-Banken, WIG-Bau, WIG-IT, WIG-Medien, WIG-Lebensmittel und WIG-Telekommunikation.

Der Tourismus in Polen befindet sich im Aufschwung, was zum einen Teil an der Öffnung des polnischen Luftraums für Low-Cost-Airlines und dem allmählichen Ausbau des Autobahnnetzes sowie zum anderen an einer Wiederentdeckung Polens durch Touristen aus aller Welt liegt. Auch die im Europavergleich niedrigen Preise in Polen dürften eine wichtige Rolle spielen. Für Touristen sind einerseits die Städte, andererseits die unberührte Natur sehr attraktiv. Die ehemalige Königsstadt Krakau wird oft als schönste Stadt Polens angesehen, sie wurde 2005 von etwa 12 Mio. Touristen besucht. Das Kulturangebot in den polnischen Metropolen ist abwechslungsreich und auch für den weniger betuchten Besucher erschwinglich. Die Kneipenkultur und das Nachtleben sind insbesondere in den großen Studentenstädten Krakau, Warschau, Breslau und Posen sehr attraktiv für junge Gäste. Insgesamt gibt es 13 Weltkulturstätten der UNESCO in Polen.

Viele Städte, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, wurden von den polnischen Restauratoren mustergültig wieder aufgebaut. Hierzu zählen vor allem Warschau, Posen, Breslau und Danzig. Erholungsgebiete und Kurorte finden sich im Süden und Norden Polens, in Ermland-Masuren, Westpommern, Pommern, Kujawien-Pommern, Kleinpolen, dem Karpatenvorland und Niederschlesien. Wassersport kann man an der Ostsee, den Seenplatten und einigen Gebirgsflüssen, v.a. Dunajec, San, Poprad, Bobr und ihren Stauseen betreiben. Die Bergregionen Tatry, Beskiden, Krakau-Tschenstochauer Jura, Heiligkreuzgebirge, Sudeten mit dem Riesengebirge an erster Stelle laden zu Ski- und Wanderferien ein. Als Wintersporthauptstadt Polen gilt Zakopane. Viele attraktive Naturschätze werden in 23 Nationalparks geschützt.

Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für

  • das Gesundheitswesen bei 1 %
  • das Bildungswesen bei 5 %
  • das Militär bei 4 %

Mit dem Eintritt von Polen und neun weiteren Länder in die EU am 1. Mai 2004 gilt auch für sie die Arbeitsmarktfreizügigkeit. Dennoch haben einige Länder, z. B. Deutschland und Österreich, für ihre Arbeitsmärkte eine Ausnahmeregelung erwirkt und werden ihre Arbeitsmärkte für die Abhängigbeschäftigte erst 2011 öffnen. Für die Saisonarbeitskräfte gelten weiterhin Ausnahmeregelungen, obwohl die Branchen, die diese Arbeitskräfte aus Polen seit Jahrzehnten benötigten (z. B. Landwirtschaft), wegen geringer Bezahlung und deswegen sinkendem Interesse in Polen, auf z. B. Bulgaren, Ukrainer oder Rumänen ausweichen müssen. Länder wie Schweden, Irland und Großbritannien öffneten hingegen ihre Arbeitsmarkte unbegrenzt für Arbeitskräfte. Unabhängig von Arbeitsmarktöffnung werden polnische Schul-, Studien- und Berufsabschlüsse EU-weit anerkannt (z. B. wird die ärztliche Approbation seit dem EU-Beitritt EU-weit anerkannt, und ein polnischer Mediziner muss weder in Deutschland noch in England weitere Examina ablegen, um als Arzt oder Zahnarzt arbeiten zu können ). Die Öffnung der Arbeitsmärkte brachte eine unerwartet große Wirtschaftsemigration mit sich. Die Regierung in London ging bei der Öffnung von 13.000 Arbeitskräften aus, die jährlich ins Land kämen. Tatsächlich registrierten bis zum Jahreswechsel 2006/2007 die britischen Behörden 380.000 neue Versicherte, mehrheitlich aus Polen und Litauen. Ehepartner und Kinder, die keine Versicherungsnummer benötigen, solange sie keine Arbeit annehmen wollen, sind in dieser Zahl nicht enthalten. Es ist dies die größte Einwanderungswelle, die Großbritannien je erlebt hat. In der Einschätzung des britischen Innenministeriums sind Arbeiter aus Osteuropa zuverlässiger und motivierter als einheimische Arbeitskräfte, vor allem im Niedriglohnbereich, wo sich Osteuropäer meist mit dem staatlichen Mindestlohn (7,90 Euro pro Stunde) zufrieden geben.
Die Zahl der Polen, die seit dem 1. Mai 2004 nach Irland gingen, ist nicht genau bekannt. Je nach Quelle gehen die Schätzungen bis zu 400.000 Personen, inkl. Familienangehörige.

Der Abfluss von Arbeitskräften hat für die polnische Wirtschaft teils drastische Auswirkungen. Aus Mangel an Ärzten und Pflegekräften mussten einzelne kleinere Spitäler in ländlichen Gebieten bereits ganze Abteilungen schließen. Die Stadt Breslau kann den Bau eines neuen Fußballstadions nicht in Angriff nehmen, da keine Baufirmen mit genügend qualifiziertem Personal zur Verfügung stehen. Die Sanierung der Autobahn von Berlin nach Breslau war nur durch deutsche Baufirmen und mehrheitlich Arbeiter aus Ostdeutschland möglich, da polnische Baufirmen auch in diesem Falle nicht das notwendige Personal hatten. Die einfache Auswanderung in die erwähnten Staaten, aber auch geografische und kulturelle Nähe sowie der schwache Dollar haben dafür gesorgt, dass die USA als Ziel viel von ihrer Attraktivität verloren haben, denn in den USA besteht für Polen nach wie vor Visumszwang (rund 40 % der Anträge werden abgelehnt), und auch eine Arbeitserlaubnis wird verlangt. Schon im Jahr 2005 hat die polnische Gemeinde in Chicago (rund 800.000 Polen) 5,3 % weniger permanente Aufenthaltsbewilligungen für Einwanderer aus Polen registriert als 2004, und jene Gewerbezweige, die sich auf polnische Kundschaft spezialisiert haben (vor allem Gastronomie) kämpfen mit Schwierigkeiten oder müssen das Geschäftsmodell ändern. Eine weitere Seite des Arbeitskräftemangels zeigte sich in der Adventszeit 2007: Im Detailhandel fehlt Verkaufspersonal. Aufgrund der sehr geringen Löhne in dieser Branche können viele Stellen nicht besetzt werden, was durch die großen Weihnachtseinkäufe nun deutlich auffällt. Weitere Anbieter von Beschäftigung, die im Ruf steht, einfältig und schlecht bezahlt zu sein (ähnlich wie die Landwirtschaft in Deutschland, s. oben), oder die eine Reputation als unangenehme Arbeitgeber haben, führen permanent Rekrutierungskampagnen in Druckmedien und Plakaten. Dies sind z. B. Gebäudereinigungsfirmen. Im November 2007 ging die Fastfood-Kette Mc Donalds noch einen Schritt weiter und schaltete Fernsehreklame zur Mitarbeiterwerbung.

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